Michael Ruetz: aus Timescape 162 – Pariser Platz, Berlin Mitte, Phase 00: 4 Feb 1991, 5:30 pm; Phase 16: 28 Aug 2023, 10:33 am, © Michael Ruetz

Poesie der Zeit. Michael Ruetz – Timescapes 1966–2023

Ausstellung

Wie lassen sich Zeit und Vergänglichkeit sichtbar machen, wie Veränderungen einer Gesellschaft oder eines Stadtraumes dokumentieren? Seit Mitte der 1960er-Jahre beobachtet der Künstler Michael Ruetz in einer fotografischen Studie den Wandel natürlicher und urbaner Lebenswelten an Orten in Berlin, Deutschland und Europa. Seine Timescapes genannten Arbeiten umfassen mehr als 600 Standorte mit tausenden von Aufnahmen. Das zentrale Konzept der Timescapes besteht darin, dass Standort und Sichtachse der Kamera stets dieselben sind, nur die Zeitintervalle der Bilderserien variieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Timescapes von Berlin. Der tiefgreifende Wandel der deutschen Gesellschaft in der Nachkriegszeit, nach der Wiedervereinigung und in der Gegenwart ist in diesen Fotoarbeiten besonders wirkungsvoll verdichtet. Schauplätze der Macht oder von historischer Relevanz wie der Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, der Schlossplatz, Gendarmenmarkt, das Regierungsviertel oder die Berliner Mauer haben vor allem seit 1989/90 eine rasante Änderung erfahren. Gebäude und Blickachsen verschwinden oder entstehen neu, Straßen werden zurückgeführt oder anders benannt, Plätze radikal umgestaltet, freie Flächen bebaut, Brachen wiederbelebt.

Ruetz' Berlinaufnahmen erzählen davon, wie Architektur unsere Lebensräume aus- und umgestalten kann und damit eine Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung erlangt. Dabei entwickeln seine Bilderserien eine eigene Ästhetik abseits dokumentarischer Nüchternheit und offenbaren so eine Poesie der Zeit. Zugleich mahnen Ruetz’ Bilder, in einer Zeit existentieller ökologischer und sozialer Krisen, die Prinzipien von Stadtentwicklung und Städtebau neu zu überdenken.

Im Berliner Kino Babylon Mitte wird am 10.5. um 19.30 Uhr der Dokumentarfilm Facing Time mit anschließendem Filmgespräch gezeigt. Zur Ausstellung erscheinen fünf Fotoleporellos.

 

Gefördert durch die Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste.

 

Medienpartner

Michael Ruetz und Astrid Köppe, Still aus Facing Time, Dokumentarfilm, 2023, Regie: Annett Ilijew, © Foto: Ines Thomsen, © Annett Ilijew und Michael Ruetz

Michael Ruetz: aus Timescape 178 – Alexanderufer/Ecke Kapelle-Ufer, Berlin Mitte, Phase 05: 2 Jun 1995 12:21 pm, Phase 06: 9 Jun 1996 11:24 am, Phase 13: 26 Nov 2002 2:42 pm, Phase 18: 9 Nov 2020 3:28 pm, © Michael Ruetz

Michael Ruetz: aus Timescape 423 – Albrechts Teerofen, Berlin Steglitz-Zehlendorf, Phase 04: 9 Jun 1996 5:04 pm, Phase 09: 26 Jul 2007 5:11 pm, © Michael Ruetz

Michael Ruetz: aus Timescape 2040 – Deutsches Historisches Museum, Berlin Mitte, Phase 01: 16 Jul 1998 12:41 pm, Phase 03: 21 Jan 1999 2:24 pm, Phase 09: 14 Jan 2002 12:00 pm, Phase 14: 13 Jun 2006 4:23 pm, © Michael Ruetz

Amélie Losier: Michael Ruetz, Akademie der Künste am Pariser Platz, Berlin 2023, © Amélie Losier

Trailer: Poesie der Zeit. Michael Ruetz – Timescapes 1966–2023 (1:00 min)

9.5. — 4.8.

Informationen über den Zugang zum Akademiegebäude am Pariser Platz im Zeitraum 12.6. – 14.7. siehe hier.

Di – So 11 – 19 Uhr
Di 16.7. Saal 4 ab 17 Uhr geschlossen

€ 10/7
Eintritt frei bis 18 Jahre, dienstags und jeden ersten Sonntag im Monat

Tickets

Führungen
Di 17 Uhr
€ 5 zzgl. Ausstellungsticket

Kurator*innenführungen
So 14 Uhr
€ 5 zzgl. Ausstellungsticket

Finissage
Führung mit Michael Ruetz
So 4.8. 14 Uhr

Tickets für Führungen

Filmvorführung im Kino Klick
Facing Time von Annett Ilijew
Do 13.6. 20 Uhr, Sa 15.6. 20 Uhr, So 16.6. 17.30 Uhr, Di 18.6. 17.30 Uhr, Fr 28.6. 17.30 Uhr

KUNSTWELTEN
Familiensonntage, Sonderführungen, Werkstätten und Angebote für Schulklassen

Eröffnung
Mi 8.5. 19 Uhr
Eintritt frei

Führung für blinde und sehbehinderte Menschen
Do 16.5. 17 Uhr
Eintritt frei

Führung für hörende und gehörlose Besucher*innen mit Übersetzung in DGS
Di 28.5. 17 Uhr
Eintritt frei

Filmvorführung im Kino Babylon
Facing Time von Annett Ilijew
Fr 10.5. 19.30 Uhr